Begleitdokumente





   

   

   

   

   

   

   

Das ADR sieht vor, dass Gefahrgutbeförderungen auf der Straße Begleitpapiere mitgegeben werden müssen. Diese Dokumente geben Rettungskräften rudimentäre Informationen, welche Produkte befördert werden, wie sie verpackt sind und wieviel geladen wurde. Da das ADR diese Dokumente z.T. nur inhaltlich beschreibt, sind in der täglichen Praxis unzählige Varianten anzutreffen.

Bitte beachten Sie: Die hier aufgeführten Angaben stellen den Rechtsstand des ADR 2017 dar bzw. zeigen die tatsächliche Vorschriftenlage. Leider finden sich bei Straßentransporten immer wieder veraltete, unvollständige oder schlicht falsche Begleitdokumente. Sofern möglich, sollten Angaben z.B. mit dem Absender verifiziert werden.

Unfallmerkblatt

Das Unfallmerkblatt (offiziell „schriftliche Weisungen“) gibt sehr knapp an, welche Gefahren von welcher Gefahrenklasse ausgehen und was bei Feuer und Havarie zu tun ist. Ein Unfallmerkblatt muss nur mitgegeben werden, wenn der Transport gekennzeichnet werden muss (mit Warntafeln). Bei den sogenannten nicht kennzeichnungspflichtigen Beförderungen (auch „Mindermengen-Transport“ genannt) ist das Mitführen nicht vorgeschrieben.

Da Fahrzeugführer, die kennzeichnungspflichtige Transporte fahren, im Besitz einer gültigen ADR-Bescheinigung sein müssen, verfügen sie bereits über eine Ausbildung im Umgang mit Gefahrgut. Inhalt dieser Ausbildung sind u.a. die Gefahren der einzelnen Klassen nebst Kennzeichnung, Verhalten bei Havarien und Brand sowie der Umgang mit Feuerlöschern. Somit stellt das Unfallmerkblatt seit In-Kraft-Treten des ADR 2009 nur noch eine Gedächtnisstütze dar. Es richtet sich nur noch an den Fahrer, muss nur noch in seiner Sprache mitgegeben werden und ist vom ADR hinsichtlich Form und Inhalt vorgeschrieben.

Für Rettungskräfte enthält es kaum noch verwertbare Informationen.


Beförderungspapier

Jeder Beförderung, die durch das ADR geregelt ist, muss ein Beförderungspapier mitgegeben werden. Dies gilt also sowohl für die kennzeichnungspflichtigen als auch die nicht kennzeichnungspflichtigen Transporte.

Das Beförderungspapier ist an KEINE Form gebunden. Es darf aus mehreren einzelnen Blättern bestehen. Eine Integration in bereits bestehende Dokumente ist zulässig. Somit können Lieferscheine, Frachtbriefe, Abfallbegleitdokumente usw. gleichzeitig Beförderungspapiere für Gefahrgüter sein.

Allen gemeinsam ist, dass folgende Informationen enthalten sein müssen:

  • Vollständige Klassifizierung

  • Anzahl der Verpackungen

  • Beschreibung der Verpackungen

  • Gesamtmenge der gefährlichen Güter (je einzelnem Stoff)

  • Absender

  • Empfänger

Für begrenzte Mengen (LQ) und freigestellte Mengen (EQ) reicht allerdings der Hinweis, dass Güter nach diesen Regeln befördert werden. Für Totalbefreiungen (ja, die kennt das ADR auch) sind keine Beförderungspapiere vorgeschrieben. Schauen Sie also auch dann mal genau auf die Ladefläche, wenn keine Hinweise auf Gefahrgüter in den Frachtpapieren stehen.


Klassifizierung
Die Klassifizierung eines Gefahrgutes bzw. die vorgeschriebene Angabe im Beförderungspapier besteht aus den Bausteinen UN-Nummer, Stoffname, Gefahrzettel der Hauptgefahr, Gefahrzettel möglicher Nebengefahren, Verpackungsgruppe, Tunnelbeschränkungscode.

Die UN-Nummer muss immer vierstellig sein, der die Buchstaben „UN“ vorangestellt sind. Zahlen unter 1.000 müssen mit führenden Nullen angegeben werden und signalisieren immer Produkte der Klasse 1 (explosiongefährliche Stoffe und Gegenstände).

Der Stoffname muss wiedergeben, was im ADR steht. Das kann knapp „Farbe“ sein, aber auch „Feste Stoffe, die entzündbare flüssige Stoffe enthalten, n.a.g.“. Bei vielen Produkten, in deren Stoffname „n.a.g.“ auftaucht (nicht anderweitig genannt), muss zusätzlich in Klammern angegeben werden, welche Stoffe tatsächlich befördert werden. Dem Stoffnamen vorangehen können Präfixe wie „Abfall“.

Die Hauptgefahr, also die Gefahrenklasse, stellt die größte Gefahr dar, die von dem Produkt ausgehen kann. Sofern das Gefahrgut über mehrere gefährliche Eigenschaften verfügt, sind diese über die Gefahrzettel der Nebengefahren anzugeben. Da es sich hier nur um die Betrachtung des Transportrechts handelt, werden Langzeitgefahren wie „gesundheitsschädlich“, „erbgutschädigend“ oder „krebserregend“ nicht betrachtet und auch nicht dargestellt.

Die Verpackungsgruppe (Darstellung in römischen Zahlen) gibt die Gefährlichkeit des Stoffes innerhalb seiner Klasse an. Verpackungsgruppe I ist am gefährlichsten, Verpackungsgruppe III am wenigsten gefährlich. Dies bedeutet jedoch nicht „harmlos“! Eine Reihe von Gefahrenklassen hat jedoch gar keine Verpackungsgruppe.

Mit dem Tunnelbeschränkungscode wird dargestellt, welche Tunnel der Transport nicht mehr durchfahren darf.

Eine vollständige Klassifizierung kann z.B. so aussehen:

UN 3175 Abfall, feste Stoffe, die entzündbare flüssige Stoffe enthalten, n.a.g. (ölverschmierte Putzlappen, Aufsaugmaterial), 4.1, II (E)
oder
UN 1203 Benzin, 3, II (D/E)
oder
UN 1017 Chlor, 2.3 (5.1, 8), (C/D)


Anzahl der Verpackungen
Eigentlich eindeutig. Doch die Angabe „Wieviele Verpackungen stehen auf der Ladefläche“ scheitert teilweise an ganz einfachen Hürden: Der Handel zählt selten einzelne Kartons, eher ganze Paletten.

Beschreibung der Verpackungen
Das ADR kennt nur wenige Verpackungsarten. Zu ihnen zählen „Kanister“, „Fässer“ oder „Feinstblechverpackungen“. Definiert sind sie im Teil 4 bzw. Teil 6. Was dort nicht steht, ist keine zulässige Verpackungsbeschreibung. Dabei entstehen durchaus Verwirrspiele. „Kisten“ können aus Pappe sein (wozu die meisten Menschen eher „Karton“ sagen würden) oder „Fässer“ einen Inhalt von gerade mal einem halben Liter aufweisen.

Was das ADR nicht erlaubt, sind andere Verpackungsbeschreibungen wie „GiBos“, „Hobbocks“ oder „Colli“. Was leider nicht verhindern kann, dass derartige Bezeichnungen trotzdem zur Anwendung kommen. Die Bußgelder für solche Nachlässigkeit können allerdings üppig ausfallen.

Gesamtmenge der gefährlichen Güter
Je Stoff ist eine Menge anzugeben. Dies kann eine Brutto- oder Nettomasse oder auch ein Volumen sein. Bei Sprengstoffen muss zusätzlich die Nettoexplosivstoffmasse (NEM) in den Papieren zu finden sein.

Absender
Der Absender der gefährlichen Güter. Hier sollte eine „echte“ Adresse stehen, also z.B. kein Postfach.

Empfänger
Siehe Absender.







Stand: Jan. 2021/ 4.2